Gerrit Pohl: Himmelsmeere (Literatur lebendig halten 2020)

Literatur lebendig halten!

Eine Aktion der Mitglieder der Hamburger Autorenvereinigung anlässlich der Corona-Pandemie 2020

Autorenprofil Gerrit Pohl: http://www.hh-av.de/mitglieder/pohl-gerrit/

Himmelsmeere

jahre ist es her
da zeigtest du mir
was licht ist
und wie klänge aufleuchten
und du wuschest sternenwind
am wasser

und legtest mein herz brach
unter ungeheuer großem himmel
sterne fingerzeigend die ich nie gesehen
hatte und wäre nicht
deine hand gewesen
auf meiner schulter wäre ich den Fischen
gefolgt sterne zu schlingen
die oberfläche brechend
deiner worte

in himmelsmeere tauchten wir
und mild im sanftem fluss der nacht
war Pallas fast am horizont
erschien Arcturus aber hell
und gott wie hat das leben sich
verändert in all den jahren und
ohne jeden schmerz vergossen
wir unsre sorgen und glitten mit den sternen
ins schweigen

und dann damals als ich allein war
und die familie schlief
und der Mond erregt
wie klatschmohn stieg
und der Schwan unterging
und die grillen schrieen
und da die sterne begannen
den wassersternwassersang
und die donnernden wolkenhufe hereinbrachen

war ich das wurfnetz und bereit
im galaktischen wogen
mich unter die wasser zu breiten
und meine leinen flüsterten
von Selene und Artemis
und der dritten gottheit
der dreiheit Hekate
der ich im kreuzweg
opferte und

aufblickend sah mein spiegelbild
ich am grund des himmels
wie der Mond
als ob er sich bewegte
mich hob
in einem lied
das mich bewegte
so
als ob es uns segnete

Antares war das roteriesenherz
mich auf die pulse seines herzens leitend
soweit der ausgestreckten hand
das auge folgt soweit der himmel reicht
soweit das fürchten es erlaubt
und mittlings dann gesetzt Arcturus
den vater und die mutter
zu schützen bogenschütze
in der mitte des herzens

und dann du
du trafst ein mit den wolken
in ausgeglühter sommernacht
unter erinnerungen die nun
auf dich herunterblicken
und heute weiß nicht wie
sind sterne keine uns
und lieder keine
die himmel dunkelnd

warum also nicken wir
uns nicht zu und sehen
wie das meer der welten
wie der kreis sich schließt
im äonenstürmen der ewigen fluchtbahnen
der sterne um unser kleines nächtiges rund

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