Die Hamburger Autorenvereinigung trauert um Günter Grass

Die Nachkriegsgeschichte der deutschen Literatur, die Aufarbeitung des Unrechts der dunkelsten Zeit in der Geschichte Deutschlands, die aus einem Land der Kultur in kurzer Zeit eine Barbarei erwachsen ließ, wäre ohne Günter Grass nicht denkbar. Die Danziger Trilogie (Blechtrommel; Hundejahre; Katz und Maus) war Lesestoff im Unterricht der jungen Nachkriegsgeneration, welche den Krieg nicht miterlebt, aber die Zerstörung von Landschaft, Städten, aber auch Geistesleben, noch vor Augen hatte. Was der Geschichtsunterricht nicht bot, das erfuhr man in Grass‘ Werken.

Dass er selbst mit seiner Rolle lange als junger Mann nicht zurecht kam und diese kurzen Jahre verschwieg, war tragisch. Aber wer kann von den Nachgeborenen aus dem bequemen Stuhl einer gewachsenen Demokratie schon richten.

Grass trug viel zur Versöhnung mit Polen bei.

Ja, er war streitbar und wir kritisierten seine Haltung zu Israel, die eine politisch begründete war, und die er in die Hülle eines Gedichts presste. Der sich politisch engagierende Autor, der zuweilen den Streit geradezu suchte, war ein belebendes Element in der häufig zu glatt gebügelten Zeit einer wachsenden Spaß- und Konsensgesellschaft. Ein solcher Charakterkopf wird fehlen. Bleiben wird aber sein umfassendes Werk. Er ist einer der Leuchttürme der deutschen Literatur.

Peter Schmidt


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