Über uns

Organe und Geschichte der Hamburger Autorenvereinigung.

Vorstand

Sabine Witt, Vorsitzende
Wolf-Ulrich Cropp, Stellvertr. Vorsitzender
Antje Thietz-Bartram Schatzmeisterin
Peter Schmidt, Schriftführer und Pressesprecher
Karsten Lieberam-Schmidt, Beisitzer
Wolfgang Müller-Michaelis, Beisitzer
Rüdiger Stüwe, Beisitzer

Ehrenvorsitzender: Gino Leineweber

 

Geschichte

Die Hamburger Autorenvereinigung (HAV) wurde im Jahre 1977 gegründet. Für den damals neu entstandenen Bundesverband Deutscher Autoren (BDA) wurde, initiiert von der Berlinerin Ingeborg Wilutzky, die Hamburger Autorenvereinigung als siebtes Verbandsmitglied ins Leben gerufen. Gründungsmitglieder waren: Dr. Hanneli Oelbermann, Irmgard Heilmann (Stifterin des “Irmgard Heilmann Preises” und spätere 2. Vorsitzende des HAV), Dr. Günter Jebens und Rosemarie Fiedler-Winter.

Allein der Tatsache, dass die Journalistin Fiedler-Winter nach der Gründungsversammlung zu einem dringenden Termin aufbrechen musste, ist es zuzuschreiben, dass sie, da Irmgard Heilmann partout ablehnte, schließlich “auf fünf Monate begrenzt” den Vorsitz der neuen Literatenorganisation Hamburgs übernahm. Aus diesen “fünf Monaten” wurden 26 Jahre, denn erst im Jahre 2003 gab Rosemarie Fiedler-Winter dieses Amt ab. Für ihre Tätigkeit wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland und von der Hamburger Autorenvereinigung als Ehrenvorsitzenden ausgezeichnet.

Wegen interner Differenzen, die bekanntlich vielen Schriftstellern nicht fremd sein sollen, trat die Hamburger Autorenvereinigung kurz nach ihrer Gründung aus dem Bundesverband aus und wirkt seitdem verbandsunabhängig.

Finanziell stützt sich die Hamburger Autorenvereinigung allein auf die Beiträge ihrer Mitglieder, auf Spenden und auf Projektfördermittel der Kulturbehörde Hamburg. Letzteres im Gegensatz zu anderen Literaturinstitutionen, die sich institutioneller Förderung erfreuen.

Die beeindruckende Veranstaltungsdichte der Hamburger Autorenvereinigung wird ausschließlich ehrenamtlich organisiert. Diese Form der kulturellen Arbeit findet ihre Anerkennung durch eine sehr befriedigende Besucherzahl und eine viel gelobte Atmosphäre der Veranstaltungen. Auch von höchster Seite wird die Arbeit der Hamburger Autorenvereinigung gewürdigt. Die langjährige Kultursenatorin Hamburgs, Frau Dr. Christina Weiss, die heutige Staatsministerin für Kultur: “Die Publikumsveranstaltungen, die Erweiterung des Literaturbegriffs auf das Sachbuch, die konsequente Pflege der Kontakte mit der Wirtschaft und die Förderung junger Autoren – diese vier Hauptziele hat die Autorenvereinigung voll eingelöst und dabei das Wunder vollbracht, private Mäzene für die Literatur zu gewinnen.”

Mit den Erfolgen der Hamburger Autorenvereinigung ist der Name Gabriel Laub eng verbunden. Der leider viel zu früh verstorbene langjährige zweite Vorsitzende der Hamburger Autorenvereinigung führte die kleine Organisation zügig ihrem Satzungsziel zu, “ein Forum zur Förderung der Interessen einer breiten Leserschaft für Bücherveröffentlichungen im belletristischen, wissenschaftlichen und Sachbuch-Bereich durch unmittelbaren Kontakt mit den Verfassern” zu sein.

Die Hamburger Autorenvereinigung erreichte erstaunliche Erfolge. Dazu gehören nicht nur die regelmäßigen Lesungen mit Autoren aus allen Himmelsrichtungen, sondern auch die von der Vereinigung kreierten “Neuinszenierungen für Literatur”. An der Spitze ihre “Literarischen Salons”, die inzwischen im berühmten Spiegelsaal des Museums für Kunst und Gewerbe stattfinden und in deren Rahmen Autoren von Weltgeltung zu Gast waren. Es begann Mitte der achtziger Jahre mit Alberto Moravia und Margret Atwood, später folgten Siegfried Lenz, Walter Kempowski, Günter Kunert, Martin Walser und Martin Walser, um nur einige zu nennen.

Als weiteres Novum in ihrer Szene kreierte die Hamburger Autorenvereinigung “literarische Reisen”, die Mitgliedergruppen mehrfach auf Einladung befreundeter Schriftstellerverbände, zu vielen Plätzen Europas brachte. Es begann in Innsbruck. Nach der Wende war die Hamburger Autorenvereinigung die erste westdeutsche Schriftstellerorganisation, die die neuen Bundesländer bereiste und Lesungen in Dresden, Erfurt, Zeitz und auf Rügen durchführte. Die Hamburger Autorenvereinigung war auch die erste deutsche Schriftstellerdelegation, gefördert vom Auswärtigen Amt und dem Senat der Freien und Hansestadt Hamburg, sowie unterstützt vom heutigen Präsidenten Russlands, Vladimir Putin, die in St. Petersburg in der Universität vor dem russischen Schriftstellerverband und der deutschen Handelskammer auftrat. Sie besuchte Wien und veranstaltete in Budapest eine ihrer erfolgreichsten Lesungen. Zum besonderen Höhepunkt wurde ihre Reise nach Nidden zur Kurischen Nehrung, wo der Schriftsteller Arno Surminski, die Reisenden an die Plätze der Handlung seines großen Romans “Sommer 44″ führte. Aus Kontakten und Gegenbesuchen entstanden neue Brücken, wie z.B. jene durch Gisela Knappes deutsch-russische Anthologie, die 2003 in St. Petersburg im Rahmen seiner 300-Jahrfeier mit einer Delegation der Hamburger Autorenvereinigung aus der Taufe gehoben wurde.

Fast überall begleiteten die Literaten aus Hamburg ihre eigenen Anthologien, die sie als einziger Schriftstellerverband seit Beginn der neunziger Jahre bei dem Verlag Langen Müller publizieren. Mittlerweile sind s: “Kindertage”, “Ach ja, die Liebe”, “Glück ist eine Gabe”, “Überall kann Heimat sein”, “In aller Freundschaft”, “Engel-Engel”, “Menschen in Hamburg”, “Meere”, “Weihnacht” und, im Verlag Expeditionen, “Spuk in Hamburg und andere zwielichtige Geschichten und Gedichte”.

Als besonders erfolgreich erwies sich außerdem die Veranstaltungsreihe “Stimmen des Jahrhunderts” im Altonaer Theater. In diesem Rahmen lasen große Autoren vor jeweils 400 bis 600 Teilnehmern aus den Werken, die sie einst berühmt gemacht hatten. Dabei kamen zu Wort: Günter Grass, Walter Kempowski, Siegfried Lenz, Rainer Kunze, Martin Walser, Arno Surminski, Herta Müller, Hans-Joachim Schaedlich, Ilse Aichinger. Am 25. November 2015 startet unsere neue Veranstaltungsreihe “Literatur im Elysee”, mit einer Lesung der Nobelpreisträgerin und Trägerin des Hannelore-Greve-Literaturpreises 2014 Herta Müller.

Im September 2003 übernahm Gino Leineweber die Leitung der Hamburger Autorenvereinigung. Er ist Schriftsteller und Mitglied der Deputation der Kulturbehörde Hamburg. In Februar 2015 wurde die Hamburger Literaturwissenschaftlerin Sabine Witt einstimmig zu seiner Nachfolgerin gewählt.

Heute zeichnet die Literatenvereinigung, zu der auch eine Gruppe hochgeschätzter fördernder Mitglieder gehört, nicht nur ein lebhafter Kontakt nach allen Seiten, von oben bis unten, sondern auch eine außerordentlich harmonische Zusammenarbeit aus. Bei ihren Zielsetzungen fühlt sie sich dem in Hamburg ganz besonders hoch geschätzten Heinrich Heine verbunden, dessen Hamburger “Salon-Auftritt” bei Baron Voigt zu Beginn des 19. Jahrhunderts ihre Einladungen ziert und in dessen Sinne sie handelt:

Es wächst heran ein neues Geschlecht
ganz ohne Schminken und Sünden,
mit freien Gedanken, mit freier Lust,
dem werde ich alles verkünden.

Heinrich Heine