Barbara Heinecke

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Biografie

Barbara Heinecke studierte Mathematik an der TU Dresden. Sie promovierte und habilitierte sich in der DDR. Aus politischen Gründen verließ sie mit ihren Kindern die DDR und lebte und arbeitete von 1984 bis 1988 in Budapest. 1988 konnten sie und ihre Kinder Ungarn mit ungarischen Reisepässen verlassen. Sie arbeitete zunächst an der Universität Kiel und wurde 1989 als Professorin für Mathematik und Informatik an die Hochschule für Angewandte Wissenschaften nach Hamburg berufen. Sie lebt jetzt in Wien.

Barbara Heinecke begann in der DDR zu schreiben. Sie schrieb über das Leben in der DDR und die Auswirkungen der politischen Gegebenheiten auf dieses Leben. Es entstand unter anderem das Buch "Gestutzte Flügel", Geschichten aus der DDR, über das sie zu vielen Buchlesungen im gesamten Deutschland eingeladen wurde und über das auch Wolf Biermann in der "Welt" geschrieben hat.

Siehe auch  Literarisches Chemnitz 2008, Lexikon Chemnitzer Autoren

 

Veröffentlichungen

"VON DEUTSCHLAND NACH DEUTSCHLAND" 

Eine nicht ganz einfache Geschichte

Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2019, 331 Seiten, ISBN 978-3-96145-792-2

Das Buch schlägt einen Bogen vom Beginn des vorigen Jahrhunderts bis zur Neuzeit und liefert dabei ein Porträt von Deutschland, beginnend in Ostdeutschland. Von Dresden - von Elbflorenz und dessen Zerstörung 1945 - , vom Erzgebirge und Thüringen, wo die Vorfahren der Autorin lebten, wird berichtet. Die Machtergreifung der Sowjets in  Ostdeutschland führt zur Gründung der DDR, zum Angleichen an sowjetische Strukturen (zu Verstaatlichungen von Betrieben, zur Kollektivierung der Landwirtschaft, zur zentralen Leitung der Industrie). Mit der Gründung der DDR wurde die Autorin 1949 auch DDR-Bürger.  Die Ostdeutschen wurden 1961 eingemauert, DOPPELT - DENKER und DOPPELT - SPRECHER wurden geboren.

Der PAUKENSCHLAG im Lebenslauf der Autorin ist eine "Westzeitung" (ein "Spiegel"-Heft), gekauft in Ungarn, das sie in die DDR einführen will, wovon der Zoll ihrer "Arbeitsstelle" Meldung macht. Als Lehrerin und Erzieherin (Oberassistentin im Bereich Mathematik) an einer DDR-Hochschule hat sie damit ihre "Pflichten" verletzt und es wird ein Disziplinarverfahren an der TH Karl-Marx-Stadt gegen sie eingeleitet, in dem sie letztlich einen strengen Verweis erhält. Ihr Verhalten widerspräche dem jederzeit zu demonstrierenden sozialistischen Bewusstsein eines Hochschulmitarbeiters, wird ihr während des Disziplinarverfahrens erklärt.

Damit beginnt die Wanderschaft der Autorin - die gegen das Verfahren opponiert und von der nun verlangt wird, ihre Oberassistentenstelle der Hochschule zur Verfügung zu stellen - über zwei Grenzen hinweg. Begleitet wird die Autorin von ihren zwei minderjährigen Kindern, die sich von ihren schulischen Zwängen in der DDR auch befreien wollen.

Nach einem 4-jährigen Aufenthalt in Budapest, nachdem sie alle drei die ungarische Staatsbürgerschaft erhalten haben, als freie Ungarn sozusagen, können sie nach Deutschland West weiterreisen, wo die Odyssee über Bayern (keine deutschen Pässe) nach Schleswig-Holstein führt. Trotz aller Probleme werden sie wieder deutsche Staatsbürger und die Autorin erhält eine Berufung als Professorin für Mathematik an die Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg. Der lange Weg von Deutschland nach Deutschland gibt Zeit für Erkenntnisse und Einsichten, vor allem über die Wichtigkeit von Demokratie und Frieden in einem geeinten Europa.

"GESTUTZTE FLÜGEL"

Geschichten aus der DDR

Reinhold Krämer Verlag, Hamburg 2000, 230 Seiten, 8 Abbildungen, ISBN 3-89622-038-1

 

„Das vorliegende Buch ist ein ehrliches Buch, es dokumentiert das Leben in der DDR. Es legt Zeugnis ab von der Drangsal, die die Menschen in der DDR erdulden mussten, und von ihren Fähigkeiten, ihrem Witz und Humor, die es ihnen ermöglichten, in dieser Bedrängnis zu leben. Und es spricht auch von denen, die diese Bedrängnis nicht aushalten konnten.

Deshalb empfehle ich dieses Buch zur Lektüre: Dem einen zur Erinnerung, dem anderen zum Studium. Es ist klar und einleuchtend, ohne ideologisches Sendungsbewusstsein und dabei in einer präzisen und packenden Sprache geschrieben.“(gekürzt)

Arnold Vaatz, MdB

„Ich hatte mich gar nicht reinziehen lassen wollen in das Buch. Aber dann las ich mich doch ein und dachte: Dies ist in der Tradition von Reiner Kunzes "Wunderbare Jahre“ geschrieben, die Autorin malt uns ein breit angelegtes politisches Sittenbild der DDR, sie öffnet uns eine Fundgrube für unerhörte Begebenheiten. Sie schildert die versteckte Arbeitslosigkeit in der Planwirtschaft. Ausreiseantrag und Ausgrenzung. Kaderakten, bedrohliche Schatten. Zensurterror gegen Widersprecher. Verhöre „Zur Klärung eines Sachverhaltes“.

Es schadet doch nichts, wenn wir bestens Bescheid wissen, was der jeweils andere im Osten, im Westen erlebt hat, was ihn formte und deformierte. Darum ja möchte ich Ihnen das Buch „Gestutzte Flügel“ unter die Nase halten: Wir müssen einander kennen, sonst können wir uns nicht vertragen.“ (gekürzt)

Wolf Biermann in der "WELT"

"ZWISCHEN DEN WELTEN"

Budapester Tagebuch 1984  - 1988

Engelsdorfer Verlag, Leipzig2006, 262 Seiten, ISBN 978-3-939144-51-7

Die Autorin verließ die DDR aus politischen Gründen und lebte vier Jahre in Budapest. Das Budapester Tagebuch entstand – zwischen den Welten OST und WEST – in den Jahren 1984 bis 1988 in Ungarn und erinnert an die Zeit vor der „Wende“, erzählt vom Leben in Ungarn, seinen Schwierigkeiten und seinen Freuden. Als Programmiererin und Übersetzerin, insbesondere aber als Deutschlehrerin erhielt die Autorin Einblick in das ungarische Leben. Hier schütteten die Ungarn ihr Herz aus.

Das Besondere an diesen Texten besteht auch darin, dass sie zu den wenigen literarischen Äußerungen in deutscher Sprache gehören, die jene eigenartige Zeit kurz vor der politischen Wende in Ungarn aus eigenem Erleben wiedergeben.

 

"BEGEGNUNGEN IN BUDAPEST"

Alabanda-Verlag, Ulm 1992,174 Seiten, ISBN 3-926724-09-9

bh-books, Budapest - Hamburg - Wien

„Es gibt Bücher in und über dieses Land, die gibt es gar nicht. Zumindest sind sie nicht mehr im hiesigen Buchhandel zu haben, falls sie dort jemals in den Regalen standen. Die „Begegnungen in Budapest“ von Barbara Heinecke gehören dazu. Von den 1992 im längst eingegangenen Alabanda Verlag erschienenen Texten der aus Dresden stammenden Mathematik-Professorin haben nur wenig in den zurückliegenden Jahren an Aktualität eingebüßte und deshalb diese späte Empfehlung verdient.

Die Autorin, die in Elbflorenz Mathe studiert hat, promovierte an der TU Dresden und habilitierte sich inmitten des real existierenden Sozialismus an der Universität Rostock, um dann 1984 als Oberassistentin der Technischen Hochschule in Karl-Marx-Stadt die DDR „aus politischen Gründen“, wie im 174-seitigen Büchlein nachzulesen ist, in Richtung Ungarn zu verlassen. Vier Jahre lebte sie dann hier und arbeitete als Programmiererin, Deutschlehrerin und Übersetzerin.

In dieser relativ kurzen Zeit hatte Barbara Heinecke nicht nur zahlreiche Begegnungen mit liebenswerten und eigenartigen Ungarn, sondern konnte ihre analytischen Fähigkeiten und ihre treffliche Beobachtungsgabe, gepaart mit umfangreich angelesenen Geschichtsfakten, in sehr lesbare Texte gießen. Das Besondere an diesen aufgeschriebenen „Begegnungen in Budapest“ – und darüber hinaus – besteht auch darin, dass sie zu den wenigen literarischen Äußerungen in deutscher Sprache gehören, die jene untypische, eigenartige Zeit kurz nach der politischen Wende in Ungarn aus eigenem Erleben reflektieren.“

Pester Lloyd, Budapest

"AZ ÉLET NEM HABOSTORTA,

DAS LEBEN IST KEINE SAHNETORTE"

Erzählungen aus Ungarn

Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2006, 118 Seiten, ISBN 978-3-86703-021-2

Az élet nem habostorta, das Leben ist keine Sahnetorte, ist ein oft gebrauchter Ausspruch in Ungarn. Die Geschichten des Buches scheinenden ihn zu bestätigen.

Alexandra Pawlowna tanzte nur einen Sommer in Budapest. Die Zarentochter, verheiratet mit dem österreichischen Verweser von Ungarn, war eine Schachfigur im Krieg gegen Napoleon. In ihrem kurzen Leben lud sie Haydn nach Ungarn ein, und Beethoven gab zu ihrem Namenstag sein einziges Konzert in Budapest.

Erzählungen aus der Schusterwerkstatt berichten vom Leben einer Gräfin, die sich in kommunistischen Zeiten als Landarbeiterin verdingen musste. Sehnsucht nach der Theiß verrät das Leben eines Priesters, der seit 1956 in New York lebt, aber immer wieder in seine Heimat zurückkehrt.

Auch Ilona suchte die Heimat dort, wo die Freiheit ist. András verlässt Siebenbürgen und wird Künstler und Überlebenskünstler in Budapest. Für die Budapester Gizella, Kati und Ágnes ist das Leben ebenfalls keine Sahnetorte, György spielt Hans im Glück und verliert sein Eigentum Stück für Stück auf der Suche nach einer Frau, die ihn liebt.

Julia geht ins Kloster der Karmeliterinnen.

"COUSCOUS UND RAMADAN"

1000 und eine Hochschulgeschichte

Reinhold Krämer Verlag, Hamburg 2003, 250 Seiten, 10 Abbildungen, ISBN 3-89622-059-4

Zwischen Couscous und Ramadan, Fülle und Entbehrung, bewegen sich in lockerer Folge die Geschichten über Menschen - Studenten und Kollegen -, die der Autorin an der Hamburger Hochschule, an der sie lehrte, begegnet sind.

Im Mittelpunkt stehen ihre ausländischen Studenten. Sie kommen aus dem islamischen Kulturkreis, aus Afghanistan, dem Irak, aus Kurdistan, Marokko, Palästina, Mauretanien und der Türkei. Nach dem 11. September hat sich die Situation dieser Studenten stark verändert. Wir begegnen aber auch Studenten aus Afrika und unseren östlichen Nachbarländern: Bulgarien, Polen, Russland und der Ukraine, von denen wir noch viel zu wenig wissen.

Die Autorin erfuhr bei fröhlichen Festen und bei ernsthaften Gesprächen viel über das persönliche Schicksal der Studenten und das ihres Heimatlandes, über ihre Religion, ihre Kultur, ihre Beziehungen zu Deutschland, ihre politischen Ansichten, über ihre Hoffnungen und Zukunftspläne.

Auf unterhaltsame und unspektakuläre Weise gelingt es Barbara Heinecke, ein Beispiel vom Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Kulturen zu geben.

Reinhold Krämer Verlag

"Der Mut der Verzweiflung"

DIE PESCHMERGA

Report

Engelsdorfer Verlag, Leipzig, 2014, 204 Seiten, ISBN 978-3-95744-334-2

"Der Mut der Verzweiflung" hat die Peschmerga getrieben. Sie kannten Ungerechtigkeit und Unterdrückung aus eigenem Erleben. Der Tod von Familienmitgliedern und Freunden, die Zerstörung von Dörfern, die Vertreibung ihres Volkes hat die Jugendlichen veranlasst, sich den Peschmerga anzuschließen, zu denen zu gehen, die "vor den anderen sterben". Ohne den Kampf  Barsanis, ohne die Opfer der Peschmerga, ohne die Bilder der verfolgten, der geschlagenen, der ermordeten Kurden, wäre keine Schutzzone für die Kurden entstanden, hätte es keine Autonomie für die Kurden im Nordirak gegeben.

Von der Verteidigung des kurdischen Volkes und dem "Mut der Verzweiflung" dieser jungen Peschmerga wird in dem vorliegenden Buch dokumentarisch berichtet. Die Peschmerga, die heute teilweise in europäischen Ländern leben, erzählen selbst aus ihrem Leben, das sie manchmal nicht schlafen lässt und das sie ewig verfolgen wird, wie einer von ihnen sagte.

"DIE ZUKUNFT LIEGT IM OSTEN"

Geschichten aus Ost und West

bh-books , Budapest - Hamburg - Wien, 2003, 272 Seiten, 29 Abbildungen,

ISBN 3-00-012326-1

Was aus uns geworden ist? Diese Frage stellt die Autorin, die in Dresden geboren wurde. Sie erzählt, wie die Menschen ihr Leben nach der Wiedervereinigung meisterten und welche Probleme sie zu bewältigen hatten. Insbesondere wird von Frauen berichtet, die sich im neuen Deutschland frei entfalten konnten. Sie möchten nicht von Karriere im Osten reden, sondern nur von der Erfüllung dessen, was sie schon immer als ihre Berufung angesehen haben.

Die vorliegenden Geschichten erzählen von Menschen, die von Ost nach West gingen und im Westen Fuß fassten, von Westdeutschen, die nach Ostdeutschland gingen und von Ostdeutschen, die vor Ort ihr Auskommen fanden und denen es manchmal an der „zwischenmenschlichen Mangelwirtschaftswärme“ im vereinten Deutschland fehlt.

Beinahe humoristisch mutet der Bericht über einen Ingenieur aus Dresden an, der innerhalb von etwa zwölf Jahren in fünf verschiedenen Firmen arbeitete, obwohl er seine Arbeitsstelle nicht wechselte.

Ein besonderes Kapitel bildet der Archipel der sowjetischen Streitkräfte in der DDR. Von der verschlossenen Welt der sowjetischen Streitkräfte bei Falkenberg/Torgau wird berichtet, vom Leben der russischen Streitkräfte in der DDR und von deren Abzug 1992.

Der sowjetischer Kosmonaut Viktor Afanasiew, vorletzter Kommandant der MIR-Raumstation und späterer ISS-Flieger, war früher Jagdflieger in der DDR. Über sein Leben in Falkenberg und als Kosmonaut wird berichtet. Viktor Afanasiew besucht in jedem Jahr seinen „alten Arbeitsplatz“ bei Torgau.

Hoffnungsfroh stimmen Berichte über Unternehmen in dieser Region, die den veränderten Bedingungen gerecht werden konnten und Anlass dazu geben, dass im Osten Zukunft liegt. Wie weit im Osten die Zukunft liegt, das hängt von uns ab.

"DER FUCHS AUF DEM DACH"

Vom Leben in den pannonischen Weinbergen

Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2015, 340 Seiten, ISBN 978-3-95744-737-1

Das Leben im Dorf ist ein Weg zurück zu den Ursprüngen, zu Genügsamkeit und Ruhe, zurück zur Gemeinschaft. Es ist ein Versuch, alte Werte wieder zu finden.

Die Dorfbewohner orientieren sich an den "alten Werten", bauen Backöfen im Garten wie sie schon die Großeltern hatten, erzeugen Wein und vergrößern ihre Weinkeller eigenhändig wie schon ihre Vorfahren. Im Dorf wird das naturnahe Leben bevorzugt - bewusst oder der Not gehorchend.

Das Licht leuchtet hier so wie in der Provence und zieht auch Künstler an. Jeder braucht einen Platz, wohin er sich zurückziehen kann. Der existiert für jeden von uns im Dorf in den pannonischen Weinbergen.

"Ich habe nirgendwo so viel Spaß wie auf meinem Dorf, freiwillig oder unfreiwillig," sagt die Autorin Barbara Heinecke über ihr Buch: "Der Fuchs auf dem Dach. Vom Leben in den pannonischen Weinbergen". Darin beschreibt die Autorin in unterhaltsamen, aber dabei durchaus auch kritisch reflektierenden Episoden über das Leben in einer Gemeinschaft der Genügsamkeit und Ruhe, die das naturnahe Leben bevorzugt, ob bewusst oder der Not gehorchend. Die gemeinsamen Feste, die Weinlesen, die Fahrten zu den Weinkellern sind Höhepunkte des Zusammenlebens einer Gemeinschaft, die versucht, alte Werte wieder zu finden, möglicherweise auch, um sich von den Überforderungen der lauten und schnellen Welt "da draußen" abzukoppeln. Einblicke in das Alltagsleben ungarischer Menschen, abseits der großen Politik - nicht oft lernt man so viel über ein Land und seine Leute...

Pester Lloyd / 24 - 2017

 

Barbara Heinecke

Heinecke.Barbara@gmail. com

www.barbaraheinecke.at/meine-buecher

Beim Verlag vergriffene Bücher sind auch über die Autorin direkt zu beziehen.

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Weitere Bilder

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